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How To: Gendering

EINE GESCHICHTE ÜBER GESCHLECHTERGERECHTE SPRACHE – DAS GENDERN
Manche Leute gehen ja regelrecht über Leichinnen und Leichen – betreffend der Rechtschreibung für geschlechtergerechte Sprache. Spaß beiseite. „Gendering“ oder „Gendern“ bezeichnet das Formulieren eines geschlechtergerechten Textes. Wie man richtig „gendert“, erfahrt ihr in diesem Blogpost.

TIPPS FÜR GESCHLECHTERGERECHTES FORMULIEREN
Generell gibt es verschiedene Möglichkeiten, um eine sprachliche Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen: 

  • die Ausschreibung der männlichen und der weiblichen Form: 
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • die verkürzte Schreibweise von männlicher und weiblicher Form mit Schrägstrich oder Klammern:
    Mitarbeiter/-in, Mitarbeiter(in)
  • die Schreibung der männlichen und weiblichen Form mit großem I im Wortinnern (Binnen-I):
    MitarbeiterIn
  • das generische Femininum (nur die weibliche Form wird verwendet, Männer sind mitgemeint)
  • das Sichtbarmachen aller denkbaren Geschlechter durch Unterstrich (Gender-Gap) oder
    Sternchen (Asterisk): Mitarbeiter_in, Mitarbeiter*in
  • die Verwendung genderneutraler Formulierungen: Mitarbeitende

Diese Möglichkeiten sind jedoch nicht in allen Fällen anwendbar. 

Außerdem entsprechen einige davon nicht den gültigen Rechtschreibregeln (Binnen-I, Gender-Gap, Asterisk) bzw. werden aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier nicht weiter eingehe, von bestimmten Interessengruppen abgelehnt.

In diesem Artikel greife ich aus den oben genannten Varianten die verkürzte Schreibweise der männlichen und weiblichen Form mittels Schrägstrich und Ergänzungsbindestrich heraus. Eine Wertung oder Empfehlung ist damit nicht verbunden. Es soll nur gezeigt werden, wie diese Variante sprachlich korrekt angewendet wird.

Generell ist im Fließtext die Ausschreibung beider Formen empfehlenswert: 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schüler und Schülerinnen

Falls jedoch aus Platzgründen oder wegen häufigen Wiederholungen abgekürzt werden soll, kann man mit Schrägstrich und Ergänzungsbindestrich (wichtig! wird oft vergessen!) arbeiten:

Mitarbeiter/-in, Mitarbeiter/-innen, jede/-r, Kaufmann/-frau

Diese Verkürzung kann allerdings nur dann verwendet werden, wenn beim Weglassen von Schrägstrich und Ergänzungsbindestrich die korrekte weibliche Form entsteht:
Mitarbeiter + innen > Mitarbeiterinnen
Das ist aber nicht immer der Fall. Wenn die männliche Form eine eigene Endung hat (Kollege und Kollegin, den Bürgern und Bürgerinnen, Studenten und Studentinnen), die verhindert, dass die weibliche Endung -in bzw. -innen direkt an den Wortstamm angehängt werden kann, ist die Verkürzung mit Schrägstrich nicht möglich (falsch: Kollege/-in, den Bürgern/-innen, Studenten/-innen, Student/-inn/-en). Hier müssen beide Formen ausgeschrieben werden: 

Kollege und Kollegin, den Bürgern und Bürgerinnen, Studentinnen und Studenten

Alternativ zur Ausschreibung beider Formen kann im Plural das substantivierte Partizip verwendet werden (wenn es eins gibt):

Kandidierende, Studierende, Mitarbeitende 

Auch bei Wortpaaren, bei denen sich ein Vokal ändert oder die nicht denselben Wortstamm haben, müssen beide Formen ausgeschrieben werden:

Arzt/Ärztin, der Bauer/die Bäuerin, er/sie

Bei Wortgruppen aus mehreren Bestandteilen sollten ebenfalls alle Formen ausgeschrieben werden, um eine Häufung von Schräg- und Ergänzungsbindestrichen zu vermeiden:

der Bürger/die Bürgerin
(nicht: der/die Bürger/-in)
dem Bürger/der Bürgerin
(nicht: dem/der Bürger/-in)

den Bürgern/den Bürgerinnen

(nicht: den Bürgern/-innen)

der neue Mitarbeiter/die neue Mitarbeiterin

(nicht: der/die neue Mitarbeiter/-in)

der amtierende Minister/die amtierende Ministerin

(nicht: der/die amtierende Minister/-in)

ein gefragter Experte/eine gefragte Expertin

(nicht: ein/-e gefragte/-r Experte/Expertin)

die alleinerziehende Mutter/der alleinerziehende Vater

(nicht: die/der alleinerziehende Mutter/Vater)

Ausbildung zum Bankkaufmann/zur Bankkauffrau

(nicht: zum/zur Bankkaufmann/-frau)

Generell kann bei der Ausschreibung beider Formen die Reihenfolge variiert werden, d. h. mal zuerst die weibliche Form, mal zuerst die männliche:

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen


DER KORREKTE ZEILENUMBRUCH

Falls ein mit Schrägstrich und Ergänzungsbindestrich verkürzter Begriff am Zeilenende getrennt werden soll, darf der Ergänzungsbindestrich nicht am Ende der Zeile stehen; er gehört in die neue Zeile direkt vor den Wortbestandteil, den er ergänzt:

also z. B. so:
Kolleg/
-innen

nicht:
Kolleg/-
innen

Zeilenumbrüche in unmittelbarer Nähe des Ergänzungsbindestrichs sollten vermieden werden:

richtig:
Kolleg/-innen (alles in 1 Zeile)

Kolleg/
-innen

unschön:
Kolleg/-in-
nen

Kol-
leg/-innen

WANN IST DIE KURZFORM MIT SCHRÄGSTRICH MÖGLICH, WANN NICHT?

 

IST GENDERING WIRKLICH IMMER UND ÜBERALL NOTWENDIG?
Anders: Ist es notwendig, dass Frauen und Männer auf eine Ebene gestellt werden? Definitiv sogar! Vor allem im Bezug auf Gehälter und, wie schon erfolgt, bei Krankenkassenbeiträgen – das ist nur fair. Aber fühlen sich selbstbewusste Frauen nicht eher veralbert, wenn die weibliche Form überall mit aufgeführt wird? Funktionieren Worte wie „Bürger“, „Kunde“ und „Leser“ nicht für beide Geschlechter? Oder ist das Durchgendern von Texten sogar ein Muss in unserer Gesellschaft, um es in die Köpfe aller zu bekommen? Und wenn ja, wo fängt man an und wo hört man auf? Die Möglichkeiten sind grenzenlos: „Können Sie mir bitte die Pfefferstreuerin/den Pfefferstreuer reichen?“ Wie ist es mit dem neuen dritten Geschlecht „divers“? Ist eine mögliche Form für die Zukunft „Kunde (m/w/d)“, oder schafft man es, alle betreffenden Wörter mit dem Substantivieren des Partizips genderneutral umzuformulieren?


FAZIT
Sprache unterliegt einem ständigen Wandel – und das ist auch gut so. Das Sprachwerkzeug ist eine fantastische Sache, mit der wir in der Lage sind, die Realität zu konstruieren. Gendering in Texten kann sowohl für den Leser als auch für den Autor eines Textes nervtötend sein. Dennoch ist es zukünftig notwendig, Formulierungen zu finden, die alle Geschlechter auf Augenhöhe bringen und auch gleichermaßen ansprechen. Texter dieser Welt, lasst uns etwas entwickeln – denn eine Pfefferstreuerin ist nicht wirklich eine Option.