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Words, Words, Words

ELOQUENZ DAMALS UND HEUTE

Ich freue mich immer, wenn sich jemand gewählt ausdrückt. Es fällt einfach auf, wenn jemand gut mit Worten umgehen kann. Neulich benutzte Chris, ein Freund von mir, zum Beispiel, das Wort „Schelm“ als er über seinen Neffen sprach. Was für ein großartiges Wort, welches schon völlig in die Vergessenheit geraten ist und dabei trifft es in einer so wunderschönen Formulierung, den Nagel auf den Kopf. Oder vor ein paar Jahren brachte mich ein Zeltnachbar beim Festival mit dem Satz: „Das war ein feiner Zug.“ zum Grinsen, nachdem er meine Sonnencreme benutzen durfte. Mega! Heute kommen solche ausgewählten Wörter nicht mehr wirklich zum Zuge, und daher bleiben solche Episoden in meinem Gedächtnis. Das Sprachwerkzeug ist doch eine großartige Sache und ich selbst liebe es mit Worten zu jonglieren.

Die AUSLÖZER-Wortspiele
Auf meiner Startseite sind meine AUSLÖZER-Wortspiele farbig hervorgehoben. Diese stammen noch von meinen Agenturzeiten. Meine ehemalige Kollegin Judith von Sympatexter und ich kamen fast täglich auf neue Wortspiele mit meinem Nachnamen, die ich immer noch feiere. Auch bei Projekten wie „Ich bin intolerant“ und einer meiner freien Arbeiten, einer Plakatkampagne für eine Eventlocation kann man sich ein Überblick verschaffen, wie ich mit Worten spiele.

Seit Oktober 2014 wird gejodelt
Im Moment bewegt sich sprachtechnischeiniges. Zum Beispiel das Jugendwort des Jahres, welches seit 2008 jährlich gewählt wird. Heute, am 16. November 2018, ist es wieder soweit und der Gewinner ist: „Ehrenmann/Ehrenfrau“ (ein Gentleman, oder eine Lady, jemand der etwas besonderes für dich tut). In den Jahren zuvor waren es unter anderem: „I bims“ (2017, „Ich bin’s“ in der sog. Vong-Sprache), „fly sein“ (2016, Etwas oder jemand geht besonders ab) oder „Babo“ (2013, Boss, Anführer, Chef).

Eine interessante Entwicklung der Sprache und kreative Texte finden sich ebenso auf der Plattform „Jodel“. „Jodel“ ist eine App, ähnlich wie das Netzwerk- und Nachrichten-Tool Twitter, und wird hauptsächlich von Studenten benutzt. Es gibt unterschiedliche Schemen nach denen die Beiträge getextet werden. Nachfolgend drei der Schemen, die genau meinen Humor treffen.

  1. Das Zitat: Es ist meistens ein etwas ungewöhnliches Zitat, darunter steht von wem es ist, mit dem Zusatz „immer“. Beispiel:
    „Ich glaub ich kann fliegen, aber ich lauf lieber.“
    - Jede Taube, immer.

  2. Das Doppelzitat: Ein Satz der doppeldeutig ausgelegt werden kann. Beispiel:
    „Guter Rat ist teuer.“
    - Achim, Steuerberater
    - Ali, Reifenhändler

  3. Der Was-Was-Dialog: Wird benutzt wenn man nach einer Aussage oder Frage zurückrudern möchte. Beispiel:
    Apotheker: Die Tabletten nehmen Sie dann bitte immer zu den Mahlzeiten.
    Ich: Also sechs mal am Tag?
    Apotheker: Was?
    Ich: Was?

Immer wieder schön, die App durchzublättern, um sich Anregungen für ausgefallene Texte zu holen und sich zu amüsieren. Auch bei Facebook gibt es eine Jodel-Fanpage mit den Best-of-Beiträgen.

Die Kuh vom Eis holen oder den Karren gegen die Wand fahren?
Neben der Verfolgung, der bei Jodel positiven Sprachentwicklung, versuche ich mich dennoch auf den traditionellen Wortschatz zu besinnen. Dabei setze ich gerne auf rhetorische Stilmittel wie Geflügelte Worte, Sprichwörter und Redewendungen. Lange habe ich mir keine Gedanken über den Unterschied der verschiedenen Stilmittel gemacht, aber es gibt einen:

Geflügelte Worte
Geflügelte Worte können auch gleichzeitig Sprichwörter oder Redewendungen sein. Geflügelte Worte sind zur Redewendung gewordene, literarische Zitate. Daher ist der Urheber meistens bekannt. Ein Beispiel für ein Geflügeltes Wort ist: „Ich kenne meine Pappenheimer.“ aus der Wallenstein-Trilogie von Friedrich Schiller.

Sprichwörter
Sprichwörter sind traditionell-volkstümliche Aussagen, haben meistens einen lehrhaften Inhalt und sind in gehobener Sprache formuliert, die oft eine Lebenserfahrung darstellen. Zudem sind Sprichwörter immer vollständige Sätze. Beispiele hierfür sind: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter.“ „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ „Hunde, die bellen, beißen nicht.“ „Kleider machen Leute.“ „Morgenstund hat Gold im Mund.“ Oder: „Übung macht den Meister.“ 

Redewendungen
Eine Redewendung, auch Phrase oder Floskel genannt, ist eine feste Wortverbindung, die in erster Linie eine bildliche Bedeutung hat. Die Aussage dahinter ist jedoch eine andere – Redewendungen enthalten also Metaphern und bilden zudem immer nur einen Satzteil. Gebräuchliche Redewendungen sind: „Eine treulose Tomate sein.“ „Ein Wink mit dem Zaunpfahl.“ „Den Faden verlieren.“ „Nur Bahnhof verstehen.“ „Am Ball bleiben.“ „Über den Tellerrand blicken.“ „Sich ins eigene Knie schießen.“ „Einen Stein im Brett haben.“ „Viel heiße Luft.“ Oder: „Sich ein Ei legen.“

Eine ehemalige Arbeitskollegin hat die Redewendungen immer verwechselt, was immer für heitere Stimmung im Büro gesorgt hat. Von ihr stammen Sätze wie: „Dennis, du musst auch mal in den Tellerrand hineinschauen!“ oder „Da habe ich mir ins eigene Ei geschossen.“ Der beste Kommentar von ihr kam völlig unerwartet in einem unklimatisierten Dachgeschoss-Büro im Hochsommer. Der Chef war gerade da und unterhielt sich mit uns. Er schweifte weit vom Thema ab und konnte nicht aufhören zu reden. Besagte Kollegin betritt das Büro, hält einen Moment inne, atmet aus und sagt: „So viel heiße Luft!“ In dem Moment war ihr nicht bewusst was sie sagte, sie bezog sich ja auf das Raumklima. Alle, inklusive Chef haben Tränen gelacht. Der beste Agentur-Moment ever!

Welche außergewöhnlichen Sprichwörter kommen in eurem Wortschatz vor? Benutzt ihr viele Redewendungen im Alltag? Was haltet ihr vom Jugendwort des Jahres? Schreibt mir eure Favoriten gerne in die Kommentare bei Instagram oder Facebook.